Mittwoch, 5. August 2020

Dieter Nuhr und die Wissenschaft

„Wissen bedeutet nicht, dass man sich zu 100 Prozent sicher ist, sondern dass man über genügend Fakten verfügt, um eine begründete Meinung zu haben. Weil viele Menschen beleidigt sind, wenn Wissenschaftler ihre Meinung ändern: nein, nein, das ist normal. Wissenschaft ist gerade, dass sich die Meinung ändert, wenn sich die Faktenlage ändert. Wissenschaft ist nämlich keine Heilslehre, keine Religion, die absolute Wahrheiten verkündet. Und wer ständig ruft 'Folgt der Wissenschaft', hat das offensichtlich nicht begriffen. Wissenschaft weiß nicht alles, ist aber die einzige vernünftige Wissensbasis die wir haben. Deshalb is‘ sie so wichtig.“

Quelle: Audiobeitrag von Kabarettist Dieter Nuhr im Rahmen einer Kampagne der Deutschen Forschungsgemeinschaft ("DFG2020 - Für das Wissen entscheiden"), veröffenlicht auf der Kampagnenwebsite am 21. Juli 2020, via Twitter verbreitet am 30. Juli 2020.

Weil Nuhrs Beitrag nach der Verbreitung über Twitter teilweise heftig kritisiert wird, nimmt ihn die DFG am 31. Juli 2020 von der Kampagnenwebsite (auf Twitter befindet er sich noch). Und veröffentlicht dazu eine "Erklärung zur Debatte um Beitrag von Dieter Nuhr". Ein Auszug daraus:

"...Im Folgenden hat sich dien DFG intensiver mit dem Statement von Dieter Nuhr befasst und weitere Hintergrundrecherchen durchgeführt. Dabei wurde deutlich, dass Herr Nuhr die Sätze: 'Wissenschaft ist nämlich keine Heilslehre, keine Religion, die absolute Wahrheiten verkündet. Und wer ständig ruft 'Folgt der Wissenschaft!' hat das offensichtlich nicht begriffen.' in ähnlicher Form bereits in der stark polarisierten Debatte zum Klimawandel und der Aktivistin Greta Thunberg geäußert hat.

In dieser spezifischen Debatte Stellung zu beziehen, ist jedoch nicht Ziel der Kampagne #DFG2020. Die DFG bietet Herrn Nuhr aber sehr gerne eine im Lichte der aktuellen Debatte kommentierte Wieder-Online-Stellung seines Statements an, nicht zuletzt auch, um die Diskussion offenzuhalten. Die DFG will diesen Fall zum Anlass nehmen, eine Auseinandersetzung über die aktuelle Debattenkultur anzustoßen und sich dabei auch selbstkritisch mit dem eigenen Handeln zu befassen."